Über Bullet Points und den Bullshit-Quotienten
15. Juni 2010 von Ingo
Einen nicht mehr ganz frischen, aber immer noch aktuellen Beitrag von Josef Joffe zum Thema Marketingsprache gibt es auf Zeit Online zu lesen: “An die Wand geworfen”. Als eine der Ursachen für die sprachliche Aufblähung und Anglisierung einfacher Aussagen macht der Autor den laienhaften Umgang mit dem Präsentationsprogramm PowerPoint mitverantwortlich. Den “suboptimalen” Umgang mit der Sprache gab es ganz sicher schon vor der Erfindung aus dem Hause Microsoft. Allerdings hilft PowerPoint nach Meinung des Autors dem schwächeren Redner seinen Mangel an Eloquenz, Charisma und substantiellem Inhalt mithilfe von visuellen Effekten und vermeintlich präzisen Kernaussagen (Bulletpoints) zu kaschieren. Außerdem interessant ist folgende Aussage Joffes zum opportunistischen Umgang mit Sprache: “Weil der Schwall der Wörter ein gutes Versteck bietet. Wer die Schärfe meidet, eckt nicht an, provoziert keine Kritik. Die basic issue ist es, defensive oder gar aggressive Reflexe zu minimieren; sonst kostet es Kunden und Wähler. Hier vereint sich also Marketing-Sprech mit Political Correctness. Niemandem wehtun, am wenigsten sich selber. Lau badet’s sich gut, im Schaum noch besser.” Und wirklich gewinnt man während der einen oder anderen Präsentation den Eindruck, dass es dem Vortragenden lediglich darum geht, Kompetenz vorzutäuschen statt Sachverhalte zu erklären und dabei bloß niemandem auf die Füße zu treten.